Diese drei Begriffe klingen sehr ähnlich und sorgen oft für Verunsicherung. Sie beschreiben jedoch unterschiedliche Situationen in der kindlichen Sprachentwicklung.
Welche Bezeichnung zutrifft, kann erst nach einer logopädischen Diagnostik sicher beurteilt werden.
Hier geben wir Ihnen einen verständlichen Überblick.
Kinder lernen Sprache Schritt für Schritt.
Zunächst bauen Kinder einen Wortschatz von etwa 50 Wörtern auf. Das sind meist alltägliche Wörter wie:
Sobald diese ca. 50 Wörter erreicht sind, beginnt oft der sogenannte Wortschatzspurt. Das bedeutet: Kinder lernen plötzlich sehr schnell neue Wörter und nutzen sie schon nach kurzer Zeit selbst.
Beim Erlernen der Aussprache machen Kinder ganz normale „Fehler“.
Zum Beispiel:
Das ist völlig normal und gehört zur Sprachentwicklung dazu.
Wichtig ist: Es gibt wissenschaftliche Erkenntnisse, bis zu welchem Alter bestimmte Aussprachemuster noch normal sind – und ab wann Unterstützung sinnvoll wird.
Von einem Late Talker spricht man, wenn ein Kind:
Viele dieser Kinder holen in der Sprachentwicklung später wieder auf.
In der logopädischen Beratung geht es hier oft vor allem um:
Mit einfachen Mitteln kann die Kommunikation häufig deutlich verbessert werden.
Eine Sprachentwicklungsverzögerung liegt vor, wenn ein Kind Lautmuster benutzt, die für sein Alter eigentlich schon verschwunden sein sollten.
Beispiel:
In diesem Fall ist eine logopädische Abklärung sinnvoll.
Wichtig zu wissen:
Ein Lispeln (Sigmatismus) muss bis etwa zum 6. Geburtstag nicht zwingend behandelt werden.
Ob eine frühere Therapie sinnvoll ist, hängt vom Einzelfall ab.
Eine Sprachentwicklungsstörung liegt vor, wenn ein Kind Lautveränderungen zeigt, die nicht zur normalen Sprachentwicklung gehören.
Beispiele:
Diese Veränderungen sind in jedem Alter behandlungsbedürftig. Bei sehr jungen Kindern steht dabei oft zunächst die Elternberatung im Vordergrund, da nicht jedes Kind sofort aktiv von einer Therapie profitieren kann.
Allen Formen ist gemeinsam:
Ohne Üben im Alltag geht es nicht!
Ein Termin pro Woche mit 45 Minuten Therapie reicht allein nicht aus, wenn die gelernten Inhalte zu Hause nicht angewandt werden.
Deshalb ist es uns besonders wichtig:
Die gute Nachricht ist:
Die meisten kindlichen Sprachauffälligkeiten lassen sich sehr gut behandeln.
Wichtig ist nur, nicht zu lange zu warten – vor allem nicht bis kurz vor der Einschulung.
Idealerweise sollten sprachliche Auffälligkeiten vor Schuleintritt weitgehend abgeschlossen sein, damit Kinder unnötige Aufmerksamkeit oder Unsicherheiten vermeiden können.