Wenn Sie einen dieser Begriffe in einer Verordnung oder in einem Bericht lesen, brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen. Die Begriffe klingen kompliziert – meist steckt aber etwas sehr Alltägliches dahinter.
Sigmatismus ist der Fachbegriff für das, was man umgangssprachlich „Lispeln“ nennt. Dabei wird der Laut „s“ nicht ganz korrekt gebildet. Es gibt verschiedene Formen:
Die Zunge liegt beim „s“ an den Zähnen an. Der Laut klingt dadurch oft dumpf oder unscharf.
Die Zunge schiebt sich zwischen die Schneidezähne. Das „s“ klingt häufig breit oder sehr weich.
Die Luft entweicht beim Sprechen seitlich an der Zunge vorbei. Der Laut klingt dann manchmal „schlürfend“.
Beim Schetismus ist der Laut „sch“ betroffen. Am häufigsten tritt ein Schetismus lateralis auf – auch hier strömt die Luft seitlich an der Zunge vorbei.
Sigmatismus und Schetismus hängen häufig mit einer myofunktionellen Störung zusammen. Das bedeutet: Die Muskeln im Mund- und Gesichtsbereich (vor allem die Zunge) arbeiten nicht optimal zusammen.
Meist geht es dabei nicht um eine Erkrankung, sondern um:
Die Zunge ist ein sehr kräftiger Muskel. Beim richtigen Schlucken drückt sie nach oben an den Gaumen.
Bei einem falschen Schluckmuster drückt die Zunge jedoch nach vorne gegen die Schneidezähne.
Das kann langfristig zu:
führen.
Sigmatismus und Schetismus werden häufig im Kindesalter bemerkt. Wichtig zu wissen: Kinder dürfen das „s“ bis etwa zum 6. Lebensjahr noch „falsch“ sprechen.
Eine Therapie ist davor nur selten notwendig.
Es gibt verschiedene Gründe, warum sich solche Muster entwickeln können:
Kinder, die überwiegend mit der Flasche gefüttert wurden, haben manchmal:
Bei Erkältungen kommt es oft zu Flüssigkeit im Mittelohr.
Kinder hören dann schlechter – vor allem hohe Laute wie „s“ und „sch“.
Wenn ein Kind den Unterschied nicht gut hört, merkt es auch nicht, dass es den Laut anders bildet als sein Umfeld.
Nicht jede myofunktionelle Störung führt automatisch zu Ausspracheproblemen.
Manche Kinder sprechen völlig unauffällig, haben aber:
Auch hier kann eine logopädische Therapie sinnvoll sein – besonders in Zusammenarbeit mit der Kieferorthopädie. So lässt sich verhindern, dass sich Zähne nach einer Korrektur wieder verschieben.
Wenn Sie unsicher sind oder Fragen haben, sprechen Sie uns gern an.
Wir schauen gemeinsam: